Book Guide | Regie anlegen

So baust du ein Book-Projekt in EMBER

EMBER schreibt nicht gut, weil du einen langen Prompt gibst. EMBER schreibt gut, wenn du vorher eine klare Regie anlegst: Story-Kern, Regeln, Kanon und Scene Cards. Diese Seite zeigt dir den praktischen Ablauf von der Rohidee bis zum ersten testbaren Draft.

1. Der einfache Arbeitsplan

Denke in drei Ebenen: Blueprint ist die Strategie, Scene Cards sind die Produktionsanweisung, der Writer-Job ist nur der einzelne Modelllauf. Wenn eine Szene nur mit langer Director Note funktioniert, fehlt meistens in der Scene Cardwant, pressure,turn oder irreversible_change.

Story-Kern festlegen

Schreibe Premise, Reader Promise, Ending Promise, Author Intent und Current Focus. Das ist der Rahmen, in dem jede Szene später gelesen wird.

Welt, Figuren und Kanon sammeln

Lege Namen, Rollen, wichtige Orte, verbotene Twists, feste Fakten und echte Kontinuitätsanker fest.

Akte und Szenen planen

Plane nicht in Seiten, sondern in Szenen. Jede Szene braucht eine Funktion, einen Druck und eine Veränderung.

Scene Cards schreiben

Für jede Szene formulierst du Situation, Want, Pressure, Material, Turn, irreversible Veränderung und Avoid.

Regie in die DB synchronisieren

Nach größeren Änderungen an Regie, Scene Cards, Canon oder Narrative State muss das Book-Projekt neu synchronisiert werden, bevor du Jobs bewertest.

Zwei Testszenen generieren

Teste zuerst eine objektlastige Szene und eine Beziehungs- oder Konfrontationsszene. Danach weißt du, ob die Regie trägt.

2. Wo du in der Plattform arbeitest

Du musst nicht alles auf einmal verstehen. Arbeite von links nach rechts: erst Plan, dann Book, dann Review. Die Regie kann als Markdown-Vorlage entstehen oder direkt im Studio über Blueprint, Szenen und Scene Cards aufgebaut werden.

Plan / Blueprint

Hier liegen Master Brief, Market Brief, Writer Rules, Author Intent und Current Focus. Das ist die strategische Regie des Buchs.

Book / Writer

Hier wählst du Szenen, bearbeitest Summary und Textblöcke, setzt eine kurze Director Note und startest Draft-Jobs.

Scene Cards

Sie sind die eigentliche Szenenregie. Eine Scene Card sagt, was die Szene leisten muss, nicht welche Sätze geschrieben werden sollen.

Review

Hier prüfst du Continuity, Quality Warnings, StateDiff-Hinweise, offene Fäden und Jobs, die nach Kontextänderungen neu bewertet werden sollten.

Merksatz

Blueprint erklärt das Buch. Scene Card erklärt die Szene. Director Note erklärt nur den nächsten Lauf.

3. Was eine Regie-Datei leisten muss

Eine Regie ist keine fertige Prosa und kein Prompt-Roman. Sie ist eine Produktionsvorlage. Gute Regie übersetzt abstrakte Ideen in konkrete Entscheidungen, sichtbaren Druck, Material und Folgen.

Gute Regie

Beschreibt, was in der Szene auf dem Spiel steht, was kippt und welche Folge nicht zurückgedreht werden kann.

Schwache Regie

Diktiert einzelne Sätze, sammelt Symbolobjekte oder sagt nur „spannender, emotionaler, literarischer“.

Minimalstruktur
# Regie: Arbeitstitel ## Core Premise: Reader Promise: Ending Promise: Thematic Core: Author Intent: Current Focus: ## World / Pressure System Welche Institutionen, Routinen, Orte oder sozialen Regeln erzeugen Druck? ## Characters Name: Rolle: Want: Wunde / Angst: Grenze: ## Canon Facts - Fakt, der nicht driften darf. - Verbotener Twist. - Fester Name, Ort oder Beziehungsstatus. ## Open Threads - Frage, die über mehrere Szenen offen bleibt. - Setup, das später bezahlt werden muss. ## Act Map Akt 1: Akt 2: Akt 3: ## Scene Cards ``` Scene Card id: title: pov: where_when: situation: want: pressure: material: turn: irreversible_change: thread: avoid: aftertaste: ending_type: # nur Rhythmus-Metadatum, kein Schreibauftrag ```

4. Blueprint ausfüllen

Der Blueprint gibt jeder Szene Richtung. Er sollte kurz genug sein, dass du ihn beim Lesen behalten kannst, aber konkret genug, dass ein Modell nicht in allgemeine Atmosphäre ausweicht.

FeldWas du hineinschreibstBeispiel
PremiseDie harte Ausgangslage des Buchs in einem Satz.Eine Mutter muss beweisen, dass die dokumentierte Abholung ihres Kindes falsch ist, obwohl alle Systeme das Gegenteil zeigen.
Reader PromiseWelche Erfahrung der Leser bekommt.Psychologischer Druck, Alltagsparanoia, jede neue Information macht die Lage enger.
Ending PromiseWas am Ende bezahlt werden muss.Die Wahrheit über die Abholung erklärt nicht nur den Fall, sondern auch, wem Eva nie hätte vertrauen dürfen.
Author IntentDie langfristige Absicht des Buchs.Ein Thriller über Kontrolle, institutionelle Kälte und den Moment, in dem Beweise gegen die eigene Erinnerung arbeiten.
Current FocusWorauf die nächsten 1 bis 3 Szenen besonders achten sollen.Material natürlich einbauen, Dialog weniger funktional, Mila als Kind sichtbar halten.
Nicht so

„Es geht um Schuld, Wahrheit und dunkle Geheimnisse.“ Das klingt nach Thema, steuert aber keine Szene. Besser: Wer will was, wer verhindert es, welcher Beweis oder soziale Druck macht die Lage enger?

5. Scene Cards richtig schreiben

Die Scene Card ist die wichtigste operative Einheit. Sie soll nicht die fertige Szene vorformulieren. Sie soll dem Modell sagen, welche lebendige Situation es schreiben muss.

FeldBedeutungMerksatz
povHarte Perspektive.Wer darf wahrnehmen?
where_whenOrt/Zeit als Szenenanker. Sobald konkret gesetzt, schützt es vor Drift.Nur konkret setzen, wenn Drift falsch wäre.
situationWas ist schon falsch, wenn die Szene beginnt?Kein neutraler Start.
wantWas die POV-Figur jetzt konkret will.Kein allgemeines Lebensziel.
pressureWer oder was macht das Want schwerer?Person, Routine, Dokument, Zeitdruck, Institution.
material1 bis 3 konkrete Dinge, die natürlich in die Szene gehören.Textur, keine Checkliste.
turnWas kippt in Wissen, Zugriff, Beziehung oder Selbstbild?Handlung allein ist noch keine Wendung.
irreversible_changeWas kann danach nicht mehr so sein wie vorher?Das wichtigste Feld.
avoidWelche Fehlfassung soll der Draft vermeiden?Verbiete Muster, nicht Leben.
aftertasteWas bleibt spürbar?Kein Pflicht-Schlusssatz.
Gute Scene Card
Scene Card id: scene13 title: Die Tasche pov: Eva where_when: Kita-Flur, 16:20. situation: Eva bekommt Milas Tasche zurück, aber die Tasche wirkt nicht wie morgens gepackt. want: Eva will herausfinden, wer an Milas Sachen war, ohne vor der Erzieherin die Kontrolle zu verlieren. pressure: Die Erzieherin bleibt freundlich, aber behandelt jede Nachfrage als nervöse Mutterreaktion. material: Tasche, Notizzettel, Brotdosen-Reserve. turn: Aus einer vergessenen Tasche wird ein Hinweis, dass jemand Milas Routine kannte. irreversible_change: Eva kann nicht mehr glauben, dass der Fehler nur in der App passiert ist. thread: Wer kennt Milas Kita-Routine gut genug? avoid: Keine Objektliste, kein Beweis-Monolog, kein hysterischer Ausbruch. aftertaste: Der freundlichste Satz der Erzieherin klingt nach Abstand. ending_type: Object Intrusion # Audit only
Schwache Scene Card
Scene Card title: Die Tasche summary: Eva findet komische Dinge und merkt, dass alles schlimmer ist. material: Tasche, Notizzettel, Brotdose, Jacke, Becher, Formular, Foto, App, Schlüssel. ending: Eva versteht, dass sie niemandem mehr trauen kann.

Das ist zu abstrakt und gleichzeitig zu voll. Es erklärt das Ergebnis, aber gibt keine lebendige Situation, kein Want, keinen Druck und keine präzise irreversible Veränderung.

6. Hart, weich und Audit

Diese Unterscheidung ist zentral. Harte Felder schützen Kanon. Weiche Felder führen Absicht. Audit-Felder helfen beim Prüfen, sollen aber nicht als Schreibauftrag im Prosa-Prompt landen.

ArtFelderWie du sie benutzt
Hartpov, location, timeAnchor, Locked Facts, Kanon-NamenNur setzen, wenn Drift wirklich falsch wäre.
Harte Objektankerobject_anchor, prop_anchor, locked_object, locked_materialFür Farbe, Besitz, Funktion oder Kontinuität. Nicht für „wäre schön, wenn es vorkommt“.
Weichsituation, want, pressure, material, turn, aftertasteDas Modell darf organisch lösen, solange die Szenenfunktion stimmt.
Legacy weichproof_object, alltagswaffe, kindmoment, closingLineMaterial, Drucksignal oder optionales Schlussbild / Tonhinweis. Kein Satzdiktat und keine Objektpflicht.
Auditending_typeFür Rhythmusprüfung. Nicht als Prosa-Auftrag.
Wichtig

required_material ist kein Runtime-Key mehr. Alte Regie kann beim Import nur dann auf locked_materialgemappt werden, wenn dieses Material echte Kontinuität schützt.

7. Director Note verwenden

Die Director Note ist kein Ersatz für Regie. Sie ist eine kurze Justierung für genau diesen einen Lauf.

Gut

„Dialog weniger erklärend. Die Tasche soll in Handlung auftauchen, nicht als Beweis benannt werden. Ende leiser.“

Schlecht

„Schreib die Szene viel spannender, emotionaler, mit mehr Stil und dem Satz: Jetzt wusste Eva alles.“

Copy-Paste Muster
Fokus für diesen Lauf: - Material als Szenentextur, nicht als Beweisliste. - Dialog mit Subtext: Figuren wollen etwas, sagen aber nicht alles direkt. - Irreversible Veränderung klar halten. - Kein erklärender Schlussabsatz.

8. Ersten Testlauf machen

Nach größeren Regie-Änderungen nicht sofort zehn Szenen generieren. Teste zwei Gegensätze. So siehst du schneller, ob die Regie Freiheit erzeugt oder wieder mechanisch wird.

Test A: Objektlastige Szene

Tasche, Jacke, Formular, Becher oder App-Eintrag. Prüfe, ob Material natürlich in Handlung und Dialog auftaucht statt als Liste.

Test B: Beziehungsszene

Mutter/Kind, Partner, Ermittler, Institution. Prüfe, ob Figuren eigene Ziele haben und der Dialog weniger funktional klingt.

Prüffragen
  1. Klingt die Szene weniger nach abgearbeiteter Regie?
  2. Bleibt die irreversible Veränderung klar?
  3. Wird Material als Textur benutzt, nicht als Checkliste?
  4. Driftet nichts bei Ort, POV, Zeit, Namen oder Locked Facts?
  5. Wird der Dialog freier und weniger funktional?

9. Generate, Accept, Save

Der Joblauf erzeugt erst einen Vorschlag. Du entscheidest danach, ob dieser Text in die Szene gehört.

Generate

Startet den Draft mit Scene Intention, Kontext, Human Edit Memory und kurzer Director Note.

Review

Lies Continuity, Quality Warnings und den extrahierten StateDiff, wenn vorhanden. Warnungen sind Hinweise, keine automatischen Rewrite-Befehle.

Accept

Übernimmt den Job-Text in die Szene. Danach kannst du menschlich editieren.

Save

Speichert den Stand in Supabase. Erst dann ist der Projektstand stabil.

Memory

Ein StateDiff ist ein Vorschlag für Memory-Updates: Objekte, Wissen, Promises und mögliche Canon-Fakten werden typisiert geprüft. Szenenlokale Details bleiben lokal; Canon entsteht erst nach expliziter Freigabe.

Provider

In der UI nutzt du Auto, OpenAI oder Anthropic. local_fallback ist ein Sicherheitsweg, kein Qualitätsurteil über die Regie.